Cremiger Auftakt um eine Fabrikantenfamilie

Die Schokoladenvilla von Maria Nicolai

Die 21-jähirge Judith ist die Tochter des Schokoladenfabrikanten Wilhelm Rothmann. 1903 steckt die Firma in finanziellen Schwierigkeiten, weswegen ihr Vater ihre Heirat mit einem Bankierssohn plant. Judith hegt allerdings so gar keine Sympathien für den jungen Mann, sondern vielmehr für den charmanten, aber auch verantwortungslosen Max. Nach ihrer gemeinsamen Nacht reist er aus Stuttgart ab und lässt Judith unwissend in einer prekären Lage zurück.

Maria Nicolai beschreibt im Auftakt der Trilogie um die Schokoladen-manufaktur vor allem das Leben der Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Judith ist die Protagonistin des historischen Romans, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Die gesellschaftliche Erwartung war seinerzeit, dass sich die Töchter dem Willen des Vaters fügen. Wirtschaftliche Vorteile gaben bei diesen Zweckehen den Ausschlag. Hélène fügte sich vor über 20 Jahren ebenfalls diesem Zwang und kuriert ihre Seele nun im milden Klima des Gardasees. Während dieses kostspieligen Aufenthalts lernt sie Hermione von Preuschen kennen, die oftmals kontrovers diskutiert wurde.

Die Autorin lässt ihre Leser allerdings auch die Frauen der Arbeiterklasse kennenlernen. Judiths Zofe Dora lebt zwar mit gewissen Annehmlichkeiten, steht ihrem Arbeitgeber allerdings auch nahezu rund um die Uhr zur Verfügung. Sie kümmert sich um sämtliche Bedürfnisse und stellt ihre eigenen hinten an. Ebenso ergeht es den anderen Bediensteten im Hause Rothmann. Zudem halten die achtjährigen Zwillinge Anton und Karl in Abwesenheit der Mutter alle anderen Bewohner auf Trab.

Die Figuren werden auf 650 Seiten detailliert ausgearbeitet. Sie sind in einer ausreichenden Anzahl vorhanden. Auch Stuttgart und die nähere Umgebung sind so bildhaft beschrieben, dass man es auch aus heutiger Sicht noch mühelos wiedererkennt. Die Gassen der Stadt und sowie die steilen Wege in den Weinbergen lassen das Gefühl aufkommen, in der Hauptstadt Baden-Württembergs zu sein.

Die Handlungsstränge sind in diesem ersten Teil der Trilogie so angelegt, dass die Figuren im weiteren Verlauf überraschen können. Die Charaktere wurden vorgestellt und können nun im nächsten Band weitere Konfrontationen und durch die Geschichte vorbestimmten Hürden überwinden. Der leichtgängige Schreibstil hat diesen Roman zum Pageturner werden lassen. Einige Handlungen führten zwar zwangsläufig zu Vorhersehbarkeiten, aber dienten auch der Dramaturgie. Bei manchen Aktionen gibt es eben keine Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten, vielmehr zählt, wie damit umgegangen wird. Der Auftakt war jedenfalls so verlockend, dass ich mich schon darauf freue, wenn endlich der zweite Teil erscheint.

Leseprobe

Weitere Meinungen zu diesem Roman findet ihr bei RoRezepte und in Streifis Bücherkiste.

© Sebastian Berger


Maria Nikolai ist die Autorin mehrerer Sachbücher und eines historischen Romans. Mit »Die Schokoladenvilla« verwebt sie nun ihre Leidenschaft für historische Stoffe, zarte Liebesgeschichten und Schokolade zu einer opulenten Familiensaga und erfüllt sich damit einen lang gehegten Traum. Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie rund um die Stuttgarter Fabrikantenfamilie Rothmann. (Quelle: Randomhouse Verlag)





  • Taschenbuch, Klappenbroschur, 656 Seiten
  • Verlag Penguin
  • ISBN: 978-3-328-10322-6
  • erschienen am 08. Oktober 2018

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Penguin Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.


Ein Gedanke zu “Cremiger Auftakt um eine Fabrikantenfamilie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.