Am Anfang war das Bild

Das geheime Lächeln von Bettina Storks

Die Journalistin Emilia ersteigert bei einer Auktion im Elsass ein Bild aus den 30-er Jahren. Die Frau mit dem geheimen Lächeln ist ihr zum Verwechseln ähnlich. Möglicherweise könnte es ihre Großmutter Sophie sein, die sich zu der Zeit in Paris aufgehalten hat. Viel wurde in der Familie nicht über sie gesprochen. Wenige Tage später erfährt sie von einem Erbe. Im Lubéron wartet ein altes Haus darauf, wieder bewohnt zu werden. Emilia möchte mehr über ihre Familiengeschichte erfahren und beginnt zu recherchieren. Alte Liebesbriefe und mehrere Zeitzeugen lassen sie an einer ergreifenden Geschichte teilhaben.

Bettina Storks erzählt in ihrem Roman eine Familiengeschichte, die vom Baden-Baden der Gegenwart über den Lubéron bis ins von den Nationalsozialisten besetzten Paris führt. Die bewegende Geschichte stellt sowohl Emilia als auch Sophie in den Mittelpunkt. Beide Frauen sind Kinder ihrer Zeit und veranschaulichen ihre Lebensumstände. Emilia ist eine moderne, selbstbewusste Frau, die allein aus beruflichem Interesse gern den Dingen auf den Grund geht. Sie entblättert dadurch das verborgene Leben ihrer Großmutter, die ebenfalls eine starke Frau war. Drumherum rankt die Historie des Zweiten Weltkriegs. Neben dem Schrecken der Deportation von Juden gab es auch immer wieder Menschen, die ihr Leben für andere riskierten. Im ländlichen Dieulefit rettete man so rund 1.500 Kinder. Da es naturgemäß immer weniger Zeitzeugen gibt, sind Romane mit historischem Anteil so wichtig, damit diese Taten nicht in Vergessenheit geraten.

Die Charaktere sind nicht immer einfach zu verstehen. Emilia erscheint mit ihren Ecken und Kanten zwar interessant, aber eben auch sperrig. Erst im Verlauf der Geschichte erahnt man, was sie so handeln lässt. Abgelenkt wird man immer wieder von Sophies Lebensgeschichte, die über Tagebucheinträge und Briefe zusammengetragen wird. Paris war seinerzeit das Zuhause von vielen Malern, sodass das Porträt plausibel als Aufhänger eingesetzt wurde. Die gesellschaftliche Ansicht von Moral und Anstand verursachte den ebenfalls glaubwürdigen Bruch zwischen Sophie und ihren Eltern. Pauline wuchs nun behütet in Baden-Baden auf und bemerkt diese Spannungen unterschwellig. Sie steht für viele Kinder dieser Zeit des gesellschaftlichen Wandels. Die Nebenfiguren runden das Geschehen ab und bringen weitere Aspekte aus der vergangenen Zeit mit ein. Der historische Roman bekommt so alle Zutaten, die ein spannendes Buch benötigt.

Mehr Impressionen findet ihr auf https://www.bettinastorks.de/fotos/.

Die Handlungsorte werden ebenso farbig beschrieben wie die Figuren selbst. Das renovierungsbedürftige Haus im südfranzösischen Lubéron erblüht beim Öffnen der Haustür förmlich zum Leben. In Paris spürt man das pulsierende Leben, das allerdings durch die Türen der Klinik ausgesperrt wird. Als krasser Kontrast steht die gediegene Kulisse der Baden-Badener Villa. Auch diese Faktoren sorgen immer wieder für Spannung und die 470 Seiten sind viel zu schnell gelesen. Alles zusammen ergibt einen überaus lesenswerten Roman, der verdeutlicht, dass die Vergangenheit immer noch Einfluss auf die Gegenwart nimmt.

Leseprobe

© Alexandra Stehle

Bettina Storks, geboren 1960 in Waiblingen, studierte Romanistik, Deutsche Philologie sowie Kulturwissenschaften und promovierte an der Universität Freiburg. Nachdem sie mehrere Jahre als Redakteurin tätig war, veröffentlichte sie ihre Romane „Das Haus am Himmelsrand“ und „Die Stimmen über dem Meer“. Bettina Storks lebt in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee. (Quelle: Randomhouse)


Weitere Meinungen zum Roman findet ihr unter #litlovehistory und auf den Blogs von Susanne und Marie.


  • Taschenbuch: 480 Seite
  • Verlag: Diana Verlag
  • erschienen am 12. März 2018
  • ISBN-13: 978-3453359741


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