Von der Pelzjacke zum Mord

Zuckerschneggerla von Martina Tischler

Als Manne seinen Fahrgast aufnimmt, ahnt er nicht, welche Probleme er in kurzer Zeit haben wird.  Juwelier Grünstein versagt während der Fahrt der Kreislauf und Manne weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Freund um Rat zu fragen. Der hat zwar eine Bar im Rotlichtmillieu und ist keines-wegs medizinisch bewandert, aber der vermeintliche Tote kommt in der kurzen Zeit offenbar wieder zu sich und verschwindet. Als er wankend aus demTaxi steigt, wird er von einem Reporter fotografiert. Manne ist froh, dass sich das Problem von selbst gelöst hat und fährt stattdessen die griechischePutzfrau Olympia zu ihrer Arbeitsstelle. Allerdings findet sie dann eine richtige Leiche. Kommissar Bernhardt hat im Trubel des Nürnberger Christkindlesmarkt jede Menge zu ermitteln.

Martina Tischlinger kreiert rund um die turbulente Zeit des adventlichen Christkindlesmarkt einen amüsanten Krimi. Es duftet nach den berühmten Lebkuchen und hoch aus der Empore der Frauenkirche spricht das gold-gelockte Christkind. Aber es ist eben auch der Mord an der Arzthelferin aufzuklären. Putzfrau Olympia ist fest entschlossen, dem netten Kommissar zu helfen und schleicht sich gewitzt in die Haushalte der Verdächtigen ein. Gemeinsam mit ihrer Angestellten, der Finnin Annikki, bringt sie sich in die unglaublichsten Situationen. Annikki ist des Deutschen auch nicht annähernd so mächtig, dass ihre Sätze nicht auch für Lacher sorgen. Jeder scheint irgendwas verheimlichen zu wollen und möglicherweise sind dort mehr Hände im Spiel als zunächst angenommen.

Der Krimi enthält viel Lokalkolorit, der zum einen durch den bayerischen Dialekt zustande kommt. Allerdings ist es nie so schwer zu verstehen, dass Bewohner nördlich des Mains nicht wissen würden, um was es geht. Annikki muss ja auch entsprechend viel erklärt werden, sodass man es sich schon zusammenreimen kann. „Basstscho“ würde Manne vermutlich sagen. Die zum Teil humorvollen Dialoge lenken allerdings ein wenig von den Mordfällen ab, sodass der Täter erst auf den letzten Seiten überführt werden kann. Fast wäre es für Olympia zu spät gewesen, bevor die Polizei die Zusammenhänge richtig kombiniert hat. Wer sich ein bisschen mit den Franken auskennt, hätte vermutlich nichts anderes erwartet. Auch die Charaktere sind nämlich treffend skizziert.

Der Regionalkrimi ist gerade wegen der Kulisse vor dem Christkindles-markt ein Tipp für die Adventszeit. Ein Mord kann der heimeligen Stimmung tatsächlich den Ausgleich geben. Da am 8. Dezember ebenfalls Krimitag ist, bekommt dieses Buch eine Leseempfehlung für Leser von Cosy-Crimes. Trotz der Mordfälle ist der Inhalt nämlich gar nicht so blutig.

Leseprobe

Martina Tischlinger, 1962 in Nürnberg geboren, studierte BWL, Außenwirtschaft und Marketing, doch ihre Leidenschaft gehört dem Schreiben. Zahlreiche Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, für den Bayerischen Rundfunk auch in fränkischer Mundart. Außer im Radio ist sie bei Lesungen zu hören.



  • Taschenbuch 272 Seiten
  • Emons Verlag
  • erschienen am 20. September 2018
  • ISBN-13: 978-3740804268

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

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