Kopf oder Zahl?

Traum des Lebens von Jeffrey Archer

Dem 16jährige Alexander Karpenko gelingt 1968 gemeinsam mit seiner Mutter Elena die Flucht aus dem kommunistischen Russland. Nachdem sein Vater während des Gründungsprozesses einer Gewerkschaft für die Hafenarbeiter umgebracht wurde, erkennt auch sein Onkel, dass die beiden künftig grässliche Repressalien zu erwarten haben. Er verschafft ihnen eine Schiffspassage auf einem Containerschiff. Im Hafen haben sie die Wahl, ob ihre Kiste in die Vereinigten Staaten verladen werden soll, oder nach Großbritannien. Alex wirft eine Münze und lässt Kopf oder Zahl entscheiden.

Das zweite Buch schildert die Überfahrt von Leningrad mit dem Ziel New York und ebenfalls mit dem Ziel Southamton mit den jeweiligen Einreiseformalitäten der in beide Länder. Kann man denn gleichzeitig in beide Länder flüchten? Nein. Aber ein Geschichtenerzähler wie Jeffrey Archer schafft es, dass seine Figuren zwei verschiedene Schicksale durchleben. Alex kommt mit seiner Mutter in New York an und Sasha – die Koseform von Alexander – fasst mit Elena in London Fuß. Beide Male erhalten sie von jemandem auf dem Schiff Hilfe und beide Male wird Elena als Köchin arbeiten, während ihrem Sohn bemerkenswert gute Leistungen in der Schule bescheinigt werden. Allerdings sind die weiteren Möglichkeiten in beiden Städten so unterschiedlich, dass sich die Lebenssituationen trotz gleicher Ausgangslage erheblich unterscheiden.

Der britische Autor führt seine Leser erneut in die Welt der Politik, der Wirtschaft und des Kunsthandels. Während er bei der Clifton-Saga allerdings für jedes Thema eine eigene Figur besetzte, darf hier Alex / Sasha alles erleben. Der Autor sagte unlängst auf einer Lesung, dass ihn bei der Entstehung dieses Buches die Frage was-wäre-wenn fasziniert habe. Sasha ließ er somit den britischen Drill in der Schule kennenlernen, während Alex schon früh den Wert des Geldes erkennt. Man muss sich hier immer wieder in Erinnerung rufen, dass es derselbe Junge ist, der nur an unterschiedlichen Plätzen der Welt mit differenzierten Wertvorstellungen aufwächst.

Alex schafft es mit seinen Voraussetzungen zum Vorsitzenden einer Bank und Sasha bringt sich in die Politik ein. Die Vorlieben Archers sind wieder vereint. Er spielt mit den Lücken der Gesetzestexte und spinnt Intrigen, in denen es um Verluste in Millionenhöhe geht. Die Figuren werden geschickt platziert, sodass zwar immer ein Ass im Ärmel des Handlungsverlaufs steckt, aber für den Leser der Blick lange auf die wahren Beweggründe verdeckt bleibt. Die Zeit des Kalten Krieges wird aus Sicht der westlichen Nationen erzählt. Der Erzählstil ist temporeich und wird oft noch mittels Zeitdruck auf die Figuren erhöht. Ebenso schnell sind die 700 Seiten dann auch gelesen. Ein Tipp: Bloß nicht vorblättern! Die letzten Seiten halten eine Überraschung bereit, die tatsächlich erst am Ende gelüftet werden sollte.

Nach einem derartig opulenten Roman fällt es schwer, gleich wieder zu etwas Neuem zu greifen. Zum Glück schreibt Lord Archer derzeit an einer weiteren Romanserie. Was sonst Harry Clifton erledigte, hat er jetzt aufgegriffen. William Warwick ist die Titelfigur der Serie. Es wird eine Geschichte über einen Detektiv, keine Detektivgeschichte. Im Herbst 2019 soll sie erscheinen. Ich brauche wohl nicht extra erwähnen, dass ich sie ganz dringend lesen muss?

Leseprobe

Es gibt auch einen Bericht zur Lesung in Hamburg.


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© Broosk Saib

Jeffrey Archer, geboren 1940 in London, verbrachte seine Kindheit in Weston-super-Mare und studierte in Oxford. Archer schlug zunächst eine bewegte Politiker-Karriere ein. Weltberühmt wurde er als Schriftsteller, »Kain und Abel« war sein Durchbruch. In Deutschland erscheinen seine großen Werke im Heyne Verlag. Mittlerweile zählt Jeffrey Archer zu den erfolgreichsten Autoren Englands, sein historisches Familienepos »Die Clifton-Saga« begeistert eine stetig wachsende Leserschar. Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in London, Cambridge und auf Mallorca. (Quelle: Heyne Verlag)


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  • Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • erschienen am 12. November 2018
  • ISBN-13: 978-3453271876
  • Originaltitel: Heads You Win

Das Bild „Die blaue Jackie“ stammt aus einer Serie von Andy Warhol und im Museum von Grenoble zu bewundern.

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Heyne-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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