Drama eines Lebens

Ohne ein einziges Wort von Rosie Walsh

Sarah Mackey war 17 Jahre mit Reuben verheiratet und versucht gerade wieder Fuß in ihrem eignen Leben zu fassen. In der malerischen Umgebung von Gloucestershire lernt sie Eddie kennen und beide verlieben sich Hals über Kopf. Eddie ist aus Kalifornien angereist und die schöne Zeit ist von Anfang an endlich. Sie verbringen dennoch eine wundervolle Woche zusammen, bevor Eddie weiter nach Spanien reist. Er verspricht, sich regelmäßig zu melden. Doch die 36jährige wartet vergeblich und schwankt zwischen dem Ungewissen, ob seine Gefühle überhaupt ehrlich gemeint waren und der Ahnung, dass ihm etwas schreckliches passiert ist.

Rosie Walsh beschreibt im ersten von drei Teilen des Romans eine beginnende Liebesgeschichte wie sie romantischer nicht sein könnte. Der Originaltitel The man who didn’t call lässt schon erahnen, dass diese Romanze unter keinem guten Stern steht. Eddie verschwindet und Sarah hört kein einziges Wort mehr von ihm. Die Frage, was mit Eddie passiert ist, wird in kleinen Schritten geklärt. Nebenbei erfährt man immer mehr von Sarahs Leben, sodass man als Leser zweifelt, ob sich alles tatsächlich so zugetragen hat, wie man es gerade gelesen hat, oder ob da vielleicht Wunschdenken dahintersteckt. Die Liebesgeschichte rückt in den Hintergrund und der psychologische Anteil drängt sich in den Vordergrund.

Rückblicke sorgen für Verwirrung

Sarahs Vergangenheit scheint einen großen Einfluss auf die Gegenwart zu haben. Man erfährt von einem Autounfall, bei dem junges Mädchen ums Leben gekommen ist. Es geht um Sarahs jüngere Schwester Hannah, die nun aber offenbar keinen Anteil mehr an Sarahs Leben hat. Immer mehr Ungereimtheiten tun sich beim Lesen auf, sodass zum einen Neugier geweckt wird, zum anderen aber auch Verwirrung gestiftet wird. Die Rückblenden werden leider nicht chronologisch erzählt, sodass man immer wieder falsche Annahmen trifft. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Das Ende entschädigt dafür mit einer überraschenden Wendung.

Der Erzählstil ist der Geschichte angemessen. Tempowechsel werden durch die erwähnten Rückblicke erzeugt. Man ist sehr nah an Sarah dran und kann ihre Verwirrung, ihre Ängste und auch ihren Schmerz gut nachfühlen. Die allgemeine Annahme, dass jemand, mit dem man sich gut verstanden hat, ebenfalls mit einem selbst in Kontakt bleiben möchte, ist hier der Angelpunkt der Geschichte. Die hinzukommenden Faktoren stellen immer wieder neue Fragen, die nicht klar beantwortet werden können, sondern weiterer Informationen bedürfen. Diese Komplexität sorgt für Verwirrung, die mich arg an die Grenze des Interesses gebracht haben. Der Punkt, an dem für mich klar war, dass auch Eddie wohl ein Geheimnis verbirgt, hätte ein paar Seiten eher kommen können. Auch die Anzahl der Nebenschauplätze hätte durchaus geringer sein dürfen. Als Debüt betrachtet, ist der Roman allerdings vielversprechend und bekommt eine Empfehlung für längere Lesezeit am Stück.

Leseprobe

© Remco Merbis


»Ohne ein einziges Wort« ist das Debüt der britischen Autorin Rosie Walsh und wurde über Nacht in 30 Länder verkauft. Wenn sie nicht schreibt, liebt sie es, draußen zu sein, spielt Violine in einem Orchester, kocht und rollt ihre Yogamatte aus, so oft sie kann. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Bristol. (Quelle: Goldmann Verlag)






Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
erschienen am 14. Mai 2018
ISBN-13: 978-3442487387
ASIN: 3442487382
Originaltitel: The Man Who Didn’t Call

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