Schüsse im Polizeimuseum Hamburg

Im Polizeimuseum Hamburg fand am Donnerstag, 27. September die

1. Lady Crime Night

statt. Vier Mörderische Schwestern lasen vor rund 60 Besuchern aus ihren aktuellen Kriminalromanen und zeigten, dass es schon zu allen Zeiten und an allen Orten zu Mord und Totschlag kam. Moderiert wurde die Veranstaltung von Inse Leiner. Ein Schuss kündigte jeweils den Wechsel der Autorinnen an, der aber keineswegs erschreckte, sondern mehr zum Gelesenen passte. Nach der allgemeinen Vorstellung begann Nora Luttmer aus ihrem Krimi Dunkelkinder zu lesen. Kriminalhauptkommissarin Mia Paulsen wird in der Szene vorgestellt und macht neugierig, was aktuell in einem düsteren Bunker in der Hansestadt wohl für Verbrechen geschehen. Die Autorin modellierte ihre Stimme so, dass im gedämpften Licht die Enge der Gänge greifbar war.

Anja Marschall las als Kontrast aus dem zweiten Teil der Krimiserie aus Lizzi und die schweren Jungs. Die Schlachtereifachverkäuferin Lizzi war viele Jahre mit einem Bankräuber verheiratet, der leider im Gefängnis verstorben ist. Nun, mit Zugang zur Beute, ist ihr Leben auch ganz schön. Es ist übrigens erstaunlich, wie humorvoll eine Situation geschildert werden kann, in der jemand in einem Konzertsaal mit der Müdigkeit kämpft.

Die Vizepräsidentin der Mörderischen Schwestern, einer Vereinigung von Krimiautorinnen mit rund 600 Mitgliedern, verriet uns am Schluss noch, dass die schönste Phase beim Schreiben die Ideenfindung sei. Was denn wohl die schlimmste Phase sei, erfuhren wir nicht. Ein weiterer Schuss kündigte den dritten Vortrag an.

True-Crime und realistische Darstellung

Historisch wurde es mit Kathrin Hanke als sie aus Die Engelmacherin von Sankt Pauli las. Ihrer Protagonistin Elisabeth Wiese wurden zahlreiche Kindstötungen nachgewiesen, wofür sie 1905 hingerichtet wurde. Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin beim Ansehen einer TV-Sendung. Der Krimi ist gleichzeitig eine Sozialstudie aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Angelika Svensson las aus Küstentod, dem vierten Band ihrer Krimiserie um Lisa Sanders. Sie wählte passend zur letzten Lesung auch den temporeichen Einsatz des SEKs, in dem die ganze Anspannung der Beteiligten zum Ausdruck kam. Auf jede noch so kleine Veränderung der Situation muss richtig reagiert werden. Die Last der Verantwortung auf den Einsatzleiter war für uns Zuhörer ebenso spürbar. Genau das ist auch die Stärke dieser Krimireihe: Die lebensechte Darstellung der Polizeiarbeit durch die fundierte Recherche bei Zivilfahndung und Mordkommission. Der fünfte Band um das Kieler Morddezernat erscheint im März nächsten Jahres und der sechste sei ebenfalls schon in Arbeit.

Folie39

Moderatorin Inse Leiner mit den Autorinnen Angelika Svensson, Anja Marschall, Nora Luttmer und Kathrin Hanke (v.l.)


Lesungen mit kriminalistischem Hintergrund finden von September bis März jeweils am letzten Donnerstag im Monat im Polizeimuseum Hamburg statt. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich die vorherige Reservierung der Karte. Die Atmosphäre zwischen den Beweisstücken echter Fälle wie die Säge des Serienkillers Honka oder den Erpresser-briefen von Dagobert ist prädestiniert für gelesene Gräueltaten.

 

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