Edinburgh Book Festival – Schön war’s!

Vom 11. bis 27. August 2018 fand das Edinburgh International Book Festival statt. Da wir bisher noch nie in der schottischen Hauptstadt waren, verbanden wir den Besuch also mit unserem Urlaub. Bei schönstem Sommerwetter begann also unser buchaffiner Besuch mit den Horrible Histories, die ich schon gemeinsam mit meinen Kindern gelesen hatte. Es folgten noch weitere zehn Events, über die ich mal mehr, mal weniger ausführlich berichte. Highlights waren definitiv die Interviews mit Alexander McCall Smith und Alison Weir, wie ihr auch im Podcast hören könnt. Die beiden Schriftsteller nahmen sich die Zeit, nach dem einstündigen Vortrag und den mehreren hundert Signaturen noch Fragen zu beantworten.

Aber auch die anderen Autoren hinterließen immer etwas Besonderes. Die meisten kannte ich bisher nur als Name im Buchregal, bzw. als Gitarrensolo auf CD. Leanda de Lisle hat mich vor Jahren schon mit ihrem Buch über die Grey-Schwestern begeistert und jetzt wieder mit dem Vortrag über Charles I.

Im Rückblick möchte ich keine Buchvorstellung missen und vermutlich hätte ich längst alle Bücher im Gepäck, wenn es keine Obergrenze fürs Fluggepäck geben würde. Lesenswert sind sie jedenfalls alle.

Montag, 13. August 2018

Jenny Colgan spricht über The Endless Beach

Den Montag Nachmittag verbrachten wir bei einer wirklich witzigen Lesung von Jenny Colgan, die weniger über den zweiten Teil der Trilogie der Strandküche sprach, sondern mehr über ihren Alltag als Autorin und mit welchen Problemen sie manchmal konfrontiert wird. Wen es wundert, dass es die schottische Insel Mure gar nicht gibt, kennt nun auch den Grund dafür. Bei erfundenen Gegenden kann auch hinterher niemand schreiben, dass irgendwas falsch dargestellt wurde. Weiterhin erfuhren wir, dass sie außer der bekannten Frauenliteratur auch an Drehbüchern für eine Fernsehserie schreibt und dass schon im Oktober ein weiteres Buch von ihr erscheint. In Deutschland werden wir auf The Christmas Island wohl noch viel länger warten müssen.

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Jenny Colgan

Lediglich einen kurzen Abschnitt las die schottische Autorin aus The Endless Beach. Die Stimmung war fröhlich und die Stunde leider viel zu schnell vergangen. Das mit rund 150 Leuten gutbesuchte Spiegeltent auf dem Edinburgh Book Festival wirkte fast familiär mit seiner Dekoration, sodass man sich tatsächlich wie in einem Wohnzimmer bei Freunden fühlen konnte. Die Moderation von Hannah Beckerman leitete ebenfalls angenehm durch das Gespräch und band auch das Publikum mit ein. Es machte auf jeden Fall neugierig auf den Roman, der auch auf Deutsch bald erhältlich sein wird.

Mittwoch, 15. August 2018

Brian May und Roger Taylor zeigen uns ihr Fotoalbum

Am Mittwoch Nachmittag lockte mich die Ankündigung von Dr. Brian May (ja, der Gitarrist von Queen) ins Gifford Main Theatre. Zusammen mit Prof. Roger Taylor sollte er dort ein Buch über Fotografie im viktorianischen Zeitalter vorstellen. Heh moment, das ist doch auch ein bekannter Name! Als die beiden dann auf der Bühne standen, klärten uns Brians einführende Worte auch gleich auf: „I won’t play the guitar tonight and he isn’t a drummer.“ (Ich werde heute keine Gitarre spielen und er ist kein Schlagzeuger.) Aber was sie dabei hatten, war mindestens genau so klasse.

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Foto: Brian May

Mittels 3-D-Brille konnten rund 800 Besucher die projizierten Fotos betrachten. Brian erklärte, wie diese Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Fotografien von George Washington Wilson mittels Stereoskopie dreidimensional anzusehen sind, obwohl sie faktisch nur plakativ vorhanden sind. Verblüffend einfach hörten sich dieses Verfahren an und umso beeindruckender waren die Fotos. Einen Eindruck könnt ihr auf der Seite der Tageszeitung Daily Mail bekommen. Wem Queen Victoria zu historisch ist, kann sich bald mit einer Neuauflage zum Bildband Queen in 3D trösten, in der auch Bilder zum Kinofilm Bohemian Rapsody (November 2018) gezeigt werden.

Donnerstag, 16. August 2018

Schottisches Lokalkolorit und das fiktive Verbrechen

Donnerstag Abend wurde es dann spannend. Val McDermid war mit dem zehnten Teil der Serie um Carol Jordan und Tony Hill angekündigt. Mit klarem schottischen Akzent sprach sie über die Entstehung ihrer Bücher und dass Plotten manchmal dazu führt, dass man nicht mehr zum Schreiben kommt. Wer nun auch eine Autorin mit düsterer Ausstrahlung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Von sich selbst sagte sie, sie sei die Debbie Harry der Literatur, halt ein Rock-Star mit platinblondem Haar. Ich mag Debbie und so wurde mir auch Val gleich sympathisch.

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Val McDermid

Ihre Krimis zeichnen sich dadurch aus, dass die Charaktere immer lebendig dargestellt werden. Sie haben ein eigenes Leben, oder zumindest das, was Val ihnen zugesteht. Schließlich sind sie fiktiv. Auch bei den jeweiligen Handlungen legt die Autorin Wert auf Authentizität. Nun mixt sie noch ein wenig Lokalkolorit hinzu und der Leser kann das Buch meist nicht mehr so schnell aus der Hand legen. Nur enge Freunde würden bemerken, dass deren Erlebtes auch hier Verwendung fand. Val vertraute uns an, dass sie zwar echtes Mitgefühl empfinde, aber eben auch zu sehr dem Schreiben verbunden ist, als dass sie eine gute Story auslassen könnte. Ebenso wie beim Lesen wurden wir in der einstündigen Veranstaltung gut unterhalten.

Freitag, 17. August 2018

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Kate Mosse

Kate Mosse stellte uns am Freitag Vormittag den Auftakt zu ihrer neuen historischen Serie vor. Durch Zufall habe sie in Südafrika entdeckt, dass auch französische Hugenotten aus Languedoc im 16. Jahrhundert dort eine Heimat gesucht haben. The Burning Chambers entstand also genau vor diesem Hintergrund. Minou und Piet müssen aufgrund von religiösen Verfolgungen aus Frankreich fliehen und kommen nach Südafrika. Es geht dabei um Liebe, Betrug und immer wieder historische Hintergründe.

Mosse stellte im Gespräch mit James Runcie heraus, dass es ihr stets darum gehe, durch die Charaktere die vergangene Zeit lebendig werden zu lassen. Von daher arbeite sie hart daran, den Figuren ein authentisches Handeln zuzuschreiben und ihnen Emotionen zu verleihen. Ihr Lieblingsthema sei dabei das Languedoc, wo man als Autor noch einige unbekannte Themen finde. Derzeit arbeitet die britische Autorin am zweiten Band der Serie City of Tears. Die deutsche Ausgabe wird vermutlich 2020 erscheinen, die schon jetzt auf meiner Wunschliste steht.

Montag, 20. August 2018

Trotz angekündigter Thriller hörte man am Montag Nachmittag ein einstündig anhaltendes Gelächter aus dem Spiegeltent des Edinburgh Book Festivals. Grund dafür waren die Vorstellungen der Neuerscheinungen von Lin Andersen und Antii Toumainen. Lin las ein Kapitel aus ihrem aktuellen Band um Gerichtsmedizinerin Rhona MacLeod Sins of the dead, in der es um eine rasante Fahrt auf einer Harley Davidson ging. Jetzt, beim Lesen erschließt sich mir die Komik auch nicht mehr so, aber es war wirklich amüsant und ich überlege, wie schnell ich wohl die zwölf Vorgänger gelesen bekomme.

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Lin Andersen und Antii Toumainen

Der zweite Vortrag kam von dem finnischen Autor Antii Toumainen, der aus seinem inzwischen achten Krimi Palm Beach, Finnland las. Wir hörten lediglich den Prolog, hatten aber anschließend alle strapazierte Lachmuskeln. Der Mord an sich ist durchaus vorstellbar, aber eben nicht, was alles dabei schief gehen kann. Toumainen hat einen ausgesprochen trockenen Humor, der teilweise erst mit dem letzten Wort überrascht. Für 2019 ist die deutsche Übersetzung im Rowohlt-Verlag angekündigt, auf die ich mich jetzt schon freue.

Dienstag, 21. August 2018

Reales Vorbild für fiktive Protagonistin

Krimis und Thriller werden erst lesenswert, wenn ihre Protagonisten möglichst authentisch agieren. Wer die Serie um Carol Jordan und Tony Hill von Val McDermid kennt, hat vermutlich schon bemerkt, dass die Autorin hier wohl ausgezeichnete Quellen zur Recherche nutzt. Am Dienstag Nachmittag stellte die schottische Autorin auf dem Edinburgh Book Festival ihre Expertin für Forensik und Freundin Dr. Sue Black vor. Die beiden plauderten quasi aus dem Nähkästchen, was so alles im realen Leben passieren kann und wie es dann plötzlich als unglaubliche Szene in einem Buch auftaucht. Es war interessant, die Zusammenhänge so verdeutlicht zu bekommen.

Beim Thema Mord könnte man weiterhin auf den Gedanken kommen, dass die Veranstaltung eher bedrückend ruhig verlief. Nun ja, McDermid und Black waren keinesfalls der Meinung. Während die Forensikerin eine Publikumsfrage beantwortete, ob sie denn auch mal mit den Toten rede („… nur wenn Polizei anwesend ist, sollte man nicht zu viel sagen.“) stellte die Autorin ganz pragmatisch fest, dass diese wohl auch niemals Wiederworte haben. Die einstündige Veranstaltung reichte keinesfalls aus, um alles anzusprechen. So verließen wir das Main Theatre, nachdem wir die Highlights so mancher Fälle gehört haben und wünschten uns, dass diese in vielen Fortsetzungen zu lesen sein werden.

Freitag, 24. August 2018

Freitag Abend machte für mich Matt Haig mit der Vorstellung seines neuen Buches Notes on a Nervous Planet den Abschluss. Nach Ich und die Menschen und die wunderschön aufgemachten Weihnachtsbücher musste ich ihn natürlich live sehen. Das Gespräch mit Richard Holloway wurde von BBC Radio Scotland aufgezeichnet und wird sicher auch bald bei Sunday Mordning with … zu hören sein.

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Matt Haig im Gespräch mit Richard Holloway

Der bereits mit einigen Auszeichnungen geehrte Autor stellte sein neuestes Buch vor, das sich erneut mit den Belastungen des Alltags und ihren Auswirkungen beschäftigt. Haig las drei Passagen vor, die einleuchtend begründeten, warum man sich auf das Wesentliche im Leben besinnen sollte. Weniger Social Media ist oft hilfreicher als die beste Therapiestunde beim Psychater und ein Abendessen mit den besten Freunden sollte auch regelmäßig zum Leben dazugehören. Er sprach sehr offen über sein Leben, was die Schlussfolgerungen des Buches noch verstärkte. Notes on a Nervous Planet steht definitiv auf meiner Must-Read-Liste.


Als Fazit schließe ich, dass sich der Besuch des Edinburgh International Book Festival eindeutig lohnt, sofern man sich in der Englischen Sprache halbwegs zurecht findet. Der Veranstaltungsort im Charlotte Square Garden ist bei sonnigem Wetter entspannend schön und bei schottischem Regenwetter darf man halt den Schirm nicht vergessen. Die Autoren signierten nach der Veranstaltung und man hatte auch gleich die Gelegenheit, in eben diesem Zelt das Buch zu erwerben. Als Leser kann man seiner Sucht 17 Tage lang fröhnen. Die Stadt bietet gerade im August mit diversen anderen Festivals noch genügend Abwechslung, dass auch Mitreisende sicher das Richtige finden und einen abwechslungsreichen Aufenthalt haben. Der Lieblingsgatte hat übrigens auch anderswo hübsche Fotomotive gefunden. Ich werde ganz bestimmt wiederkommen.

 

 

 

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