Familie, ein Hund am Meer und lecker Essen – Mehr braucht man nicht

Die kleine Sommerküche am Meer von Jenny Colgan

Flora MacKenzie hat vor Jahren ihr Elternhaus auf der schottischen Insel Mure verlassen. Sie wollte mehr erleben und führt seitdem als Anwaltsgehilfin ein abwechslungsreiches Leben in London. Sie ist heimlich in ihren Chef Joel verliebt, der die junge Frau aber gar nicht wahrnimmt. Doch für die Klärung eines Falls ist Flora plötzlich die einzige, die Joel helfen kann. Allerdings muss sie dafür auch wieder zurück nach Mure. Ihr Klient will dort nämlich ein Hotel errichten, dessen Standort sich nicht mit der Planung des Windparks vereinbaren lässt.

Jenny Colgan scheint nicht nur die raue Küste zu lieben, sondern vor allem auch leckeres Essen. Wie schon in der Strandbäckerei werden auch in der Sommerküche immer wieder traditionelle Rezepte ausprobiert. Flora entdeckt im Nachlass ihrer Mutter ein Rezeptbuch, das für jede Emotion den richtigen Geschmack notiert hat. So kann man nicht nur Kinder mit süßen Nachspeisen glücklich machen, sondern auch herzhafte Kleinigkeiten für streitbare Männer zubereiten. Die frischen Zutaten passen zur unberührten Natur der fiktiven Insel, die ebenfalls beim Lesen vorm inneren Auge erscheint. Die Einsamkeit hat allerdings auch Schattenseiten. Das kleine Eiland bietet nicht viel Abwechslung. Mehr als der Besuch im Pub und ab und zu eine Feier stehen nicht zur Auswahl. Stets hat auch die Witterung das letzte Wort, ob man mit dem Boot auf eine andere Insel übersetzen kann. Wie anders erscheint doch da das Leben in einer Großstadt. Flora genießt dort die Anonymität und die gebotenen Möglichkeiten. Der Trubel überdeckt dabei das vertraute Heimatgefühl.

Flora ist eine junge Frau, die überall gleich nebenan wohnen könnte. Sie hat Wünsche und Bedürfnisse, die sie sich gerne erfüllen möchte. Von daher ist der Weggang von Mure nur zu verständlich. Die dabei ebenfalls aufgegebenen Familienbande bemerkt sie erst viel später. Die Figuren werden mit ihren Eigenheiten authentisch ausgearbeitet. Nach dem Tod von Floras Mutter und ihrem Weggang kommen vor allem die unausgesprochenen Verletzungen der Familie deutlich hervor. Im Gegensatz dazu entwickelt sich die Liebesgeschichte um Flora nur sehr langsam. Es scheint fast so, als würde die Autorin sich noch ein paar Möglichkeiten offen halten wollen. Joel bekommt außer ernstzunehmender Konkurrenz noch ein Geheimnis, sodass bis kurz vor Schluss noch alles offen bleiben kann. Da vorher schon verraten wurde, dass es der Auftakt zu einer Trilogie ist, habe ich derartige Wendungen auch erwartet. Der eingängige Schreibstil passt zur Unterhaltungsliteratur, sodass man dieses Buch viel zu schnell durchgelesen hat. Die angehängten Rezepte der Pasteten, Marmeladen und Bannocks lassen erahnen, welche Snacks Flora in der Sommerküche herstellt. Sie verkürzen sicher auch die Wartezeit, bis 2019 der zweite Teil erscheint. Das Sommerlesebuch macht definitiv Appetit auf Schottland. Bidh mi gad fhaicinn.

Leseprobe

Einen Podcast habe ich mit Jenny Colgan ebenfalls aufgenommen.

Kerstin hat die Sommerküche ebenfalls gelesen. Hier findet ihr ihre Meinung dazu.

 


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© Charlie Hopkinson

 

Jenny Colgan studierte an der Universität von Edinburgh und arbeitete sechs Jahre lang im Gesundheitswesen, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit dem Marineingenieur Andrew hat sie drei Kinder, und die Familie lebt etwa die Hälfte des Jahres in Frankreich.

Die Romane um »Die kleine Bäckerei am Strandweg« standen wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

 


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Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Piper-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

 

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3 Gedanken zu “Familie, ein Hund am Meer und lecker Essen – Mehr braucht man nicht

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