Blick hinter die Kulissen der Bank deutscher Länder

Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse

Die am 20. Juni 1948 durchgeführte Operation Bird Dog war mehr, als die Verantwortlichen der Währungsreform geplant hatten. Die Reichsmark sollte endgültig durch die neue D-Mark abgelöst werden. Da bereits zu Kriegszeiten die Inflation Ausmaße annahm, die nicht mehr aufzufangen waren, erhielt jeder Bürger 40 Reichsmark gegen 40 Deutsche Mark eingetauscht. Diese Summe bildete die Grundlage der westdeutschen Wirtschaft. 5,7 Milliarden D-Mark wogen rund 500 Tonnen und wurden in 23.000 Kisten verstaut. Das neue Bargeld brachte aber nicht nur den Aufschwung, sondern stieß auch viele in den Ruin. Der Bankier Dr. Victor Wrede schied gemeinsam mit seiner Frau aus dem Leben. Nur ihr Sohn Carl überlebte. Nach zehn Jahren hält er die Zeit für gekommen, dass der Fall endgültig geklärt werden soll.

Jan-Christoph Nüse hat sein Debüt im Genre historischer Krimi vor die turbulente Kulisse der Währungsreform platziert. Die Charaktere haben jeweils ein reales Vorbild. Die Handlung selbst ist jedoch fiktiv. Bei einem Krimi hat das den Vorteil, dass man eben nicht schon vorher weiß, wie er endet. Zeitungsanzeigen und Aktennotizen erinnern immer wieder daran, dass es die beiden Leichen tatsächlich gegeben hat. Somit bekommt auch die Handlung Glaubwürdigkeit, auch wenn sie um zwei Jahre vorverlegt wurde und lediglich der Name des Sohnes geändert wurde. Der Betrug an die Bundesbank, der nach und nach durch die Beweise offengelegt wird, ist plausibel erklärt. Genau so könnte es sich vor 70 Jahren abgespielt haben.

Der Schreibstil des Journalisten ist flüssig zu lesen. Da die Handlung ebenfalls eine faszinierende Sogwirkung auf mich hatte, habe ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen. Das Thema Währungsreform wird genug erklärt, um sich eine Vorstellung von der damaligen Zeit zu machen, die ich lediglich aus den Erzählungen meiner Großeltern kenne. Es macht neugierig, sich intensiver mit den Konsequenzen für die Mehrheit der Deutschen zu befassen. Nach einem derartigen Einschnitt in die Wirtschaft war ein Umdenken zwingend notwendig, während viele der Köpfe in einer Zeit aufwuchsen, die vom Nationalsozialismus geprägt war. Jede Figur steht federführend für einen dieser Vertragspartner, beziehungsweise für dessen Kontrahenten. Vorgänge, die sich aus den historischen Geschehnissen ableiten, werden in einer zweiten Zeitebene erzählt. Die Spannung baut sich stetig auf und stellt zwangsläufig die Frage, ob es tatsächlich Selbstmord war, oder ob doch Auftraggeber dahinter steckten. Stück für Stück erschließt sich ein vollständiges Bild von diesem Meilenstein in der Deutschen Geschichte. Der Krimi ist nicht nur für Geschichtsinteressierte ein Lesegenuss.

 

Leseprobe

 


 

nuese-jan-christoph

© Frank Rogner

Jan-Christoph Nüse wurde 1958 in Dortmund geboren, ging in Würzburg zur Grundschule und studierte Sozialwissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum und Hagen. Er arbeitet als Redakteur und Reporter beim Fernsehsender Phoenix in Bonn und Brüssel. Für seine Berichterstattung über Wirtschaft und Politik wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er hat einen Sohn und lebt seit zehn Jahren wieder in seiner Heimatstadt Dortmund. »Operation Bird Dog« ist sein erster Kriminalroman. (Quelle: Gmeiner-Verlag)

 


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420 S. / 13 x 21 cm / Klappenbroschur Premium
Gmeiner-Verlag
erschienen im März 2018
Kriminalroman
ISBN 978-3-8392-2283-6

 

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Gmeiner-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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