Über den eigenen Schatten springen

Nichts ist gut. Ohne dich. von Lea Coplin

Jana ist 18 und weiß nicht so recht etwas mit ihrem Leben anzufangen. Bis sie eine Vorstellung davon hat, wohnt sie bei ihrer älteren Schwester Marie in München und jobbt stundenweise in einem Buchladen. Plötzlich taucht dort ein Kunde auf, den sie seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hat. Es ist Leander, ein Freund aus Kindertagen. Mit ihm verbindet sie aber auch den Tod ihres Bruders Tim, der in einem Auto starb, das Leander gesteuert hat. 

Lea Coplin ist das Pseudonym einer Autorin, die in einem anderen Genre bereits Bestseller veröffentlicht hat. Diesmal präsentiert sie uns ein Jugendbuch mit einer komplexen und inhaltlich schwer verdaulichen Thematik: Tod, Trauer, Verzeihen und Schuld und die Gefühle, mit denen man umgehen muss. Die Konstellation ist nicht ganz einfach. Die Figuren tragen alle eine große Last mit sich herum. Jana und Marie trauern um ihren Bruder. Beim genaueren Hingucken bemerkt der Leser allerdings schnell, dass sich die beiden nicht etwa Trost spenden, sondern jede für sich das Thema verdrängt. Die Familie, die vielleicht ein Halt für die Mädchen gewesen wäre, ist inzwischen zerbrochen.

Auch Leanders Leben hat nach dem Unfall einen anderen Verlauf genommen. Auch seine Familie entzweite sich als er auf einem Internat seinen Schulabschluss machte. Inzwischen leidet seine Mutter an einer unheilbaren Krankheit. Leander wird ständig an die Endlichkeit eines Menschenlebens erinnert. Zu seinem Vater hat er keinen Kontakt mehr. Der Unfall scheint der Auslöser für jede Menge Leid zu sein. Einige Fronten sind verhärtet und Schuldzuweisungen mit entsprechenden Verletzungen erschweren eine Annäherung. Dennoch entflammt ganz sacht die Zuneigung zwischen Jana und Leander erneut. Dem Thema nähert sich die Autorin mit Samthandschuhen, da eine derartige Entwicklung keine hektischen Bewegungen vertragen würde. Dadurch werden das Vergeben und die innerliche Zerrissenheit beider Charaktere intensiv und bildhaft beschrieben.

Der Roman hat eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. Sprache und Schreibstil sind leichtgängig. Dennoch lässt einen das Thema nach der letzten Seite nicht los. Fast fühlt es sich an, als würde sich das Komprimierte des Buches erst jetzt im Kopf entfalten. Der Roman berührt zweifellos eine ganze Reihe von Emotionen und sensibilisiert für das Vergeben, ebenso wie für das Übernehmen von Verantwortung. Interessante Nebenfiguren runden den Handlungsverlauf ab und bieten Stoff für die Fortsetzung Alles zu verlieren. Außer uns.

Leseprobe  

Am 21. April las Lea Coplin in Buch in der Au in München aus ihrem Roman. Sie wählte drei Abschnitte aus, um uns auf den Roman einzustimmen. Schon nach dem ersten waren die rund 40 Besucher aufmerksam dabei und die Zeit verflog viel zu schnell. Der Moderator Günter Keil stellte zwischen den Lesungen Fragen zur Entstehung entlockte eben auch Informationen zum Folgeroman. Es war ein rundum gelungener Nachmittag.

Den Podcast vom Interview könnt ihr jetzt ebenfalls aufrufen. Lea spricht dort über die Ideenfindung beim Schreiben, No-Gos und ihrer Lieblingsstadt München.


01 coplin_lea(c) Heike Bogenberger_5839

© Bogenberger Autorenfotos

Lea Coplin ist das Pseudonym einer Autorin, die mit ihren gefühlvollen Romanen bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Mehr als fünfzehn Jahre arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich für die Schriftstellerei entschied. „Nichts ist gut. Ohne dich.“ ist ihr erstes Buch, das in ihrer Wahl-Heimatstadt München spielt, wo sie mit Mann und Katzen ganz in der Nähe der Schauplätze lebt. (Quelle: dtv)


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dtv Junior
352 Seiten
Altersempfehlung ab 14 Jahre
ISBN 978-3-423-71778-6
erschienen am 20. April 2018

Das Rezensionsexemplar wurde mir von dtv zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

 

 

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