Schmerz, Liebe und Vertrauen

Shark Club von Ann Kidd Taylor

Maeve wuchs mit ihrem Zwillingsbruder Robin an der Küste Floridas auf. Der Strand, das Meer und auch die Gefahren, die es birgt, sind ihr vertraut. Als 12jährige wurde sie von einem Hai gebissen und hat nur überlebt, weil ihr Freund Daniel sie aus dem Wasser zog. Die beiden sind zusammen aufgewachsen und waren auch lange Jahre ein Paar. Bis Maeve das Hochzeitsdatum verschob, um ein Forschungsprojekt auf den Fidji-Inseln zu leiten und Daniel Trost bei einer anderen Frau suchte. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen. Hazel, Daniels Tochter, hat ihre Mutter verloren und lebt nun mit ihrem Vater wieder in Florida, wohin auch Maeve zurückkommt.

Ann Kidd Taylor hat in ihrem Roman um die Haiflüsterin Maeve mehrere Themen zu einem ganzen verwoben. Vorrangig geht es um Tierschutz, aber auch um Liebe, Verlust, Betrug und Trauer. Die bildhafte Sprache lässt allerdings immer die Wärme des Sonnenstaates spürbar werden und die salzige Luft strömt zwischen den Zeilen hervor. Obwohl ich seit Jahren nicht mehr an der Golfküste des US-Staates war, hatte ich das Gefühl von pudrigem Sand unter den Füßen. Von daher war es nicht verwunderlich, dass auch das Ereignis mit dem Schwarzspitzenhai plastisch beschrieben wurde, ohne große Worte zu verlieren. Maeve widmet trotz dieses angsteinflößenden Vorfalls ihr ganzes Leben den Haien. Sie wird Meeresbiologin und hat bereits die ganze Unterwasserwelt der Erde gesehen.

Ganz anders verlief das Leben von Daniel. Er arbeitet als Koch und muss sich seit dem Tod seiner Ex-Partnerin um seine Tochter Maeve kümmern. Es bot sich an, dass er zurück in sein Elternhaus kommt und seine Mutter die Betreuung der Kleinen übernimmt. Auch Maeves Großmutter ist glücklich, endlich wieder einen richtigen Koch in ihrem Hotel zu haben. Nur Maeve ist sich ihrer Gefühle nicht sicher, da der Schmerz des Betruges immer noch spürbar ist. Kompliziert ist es für sie, da sie sich seit ein paar Wochen zu ihrem Tauchpartner Nicolas hingezogen fühlt. Was fehlt, ist eine klare Entscheidung für oder gegen einen der beiden. Schnell wird deutlich, dass Maeves Herz offenbar ebenso verletzt wurde wie einst ihr Bein.

Beide Geschichten nehmen jeweils knapp die Hälfte der Handlung ein. Während Maeve sich über ihre Gefühle klar wird, macht sie über den Fernsehsender CNN auf Tierquälerei aufmerksam. Das illegale Geschäft mit den Haifischflossen wollen sich die Schwarzmarkthändler nicht kaputt machen lassen. Maeve begibt sich bei ihren Nachforschungen in Gefahr und muss auch über ihren Bruder mehr lernen, als sie bis dato angenommen hat. Sie begibt sich also im übertragenen Sinne schon wieder in ein Haifischbecken der Kriminalität.

Die drei Hauptfiguren sind unterschiedlich genug, um der Handlung Spannung zu vermitteln. Allerdings sind sie nicht so tief ausgearbeitet, dass sie nach dem ersten Kennenlernen noch überraschen könnten. Dennoch erscheint der Verlauf nicht unglaubwürdig. Vieles ist sehr glatt ausgearbeitet, wie man es sich für ein beschauliches Leben wünscht. Die drei hätten viel Potential zur Entwicklung gehabt, blieben sich aber lieber treu. Die schwache Liebesgeschichte gleicht die informative Hai-Story allerdings um Längen aus. Shark Club ist somit ein unterhaltsamer Tipp für die Urlaubslektüre, die man am besten in einem Rutsch liest.

Leseprobe

Weltkarte mit Hai-Angriffen

© Vanessa Rogers Photography

Ann Kidd Taylor lebt mit ihrer Familie in Florida. Gemeinsam mit ihrer Mutter, der Bestsellerautorin Sue Monk Kidd, veröffentlichte sie bereits einen Reisebericht. Ihre Leidenschaft für Geschichten, ihre Heimat Florida und das Meer führten dazu, dass sie sich mit SHARK CLUB einen großen Wunsch erfüllte: ihren ersten Roman zu schreiben. Die Presse in den USA war begeistert, und für viele Leserinnen wurde es der Lieblingsroman des Sommers. (Quelle: Randomhouse)

 

 


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Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen am 10. April 2018
ISBN-13: 978-3328102373
Originaltitel: The Shark Club

Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Penguin Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

2 Gedanken zu “Schmerz, Liebe und Vertrauen

  1. Mikka Liest schreibt:

    Huhu!

    Eine schöne Rezension – da mich die Hai-Story ohnehin mehr interessiert als die Liebesgeschichte, spricht mich das Buch sehr an! 🙂

    Ich war vor vielen Jahren mal Mitglied in einem internationalen Forum, und da war auch jemand, der in einer Gegend in Florida lebte, wo es überdurchschnittlich viele Hai-Angriffe gab. Der hat mehr als einmal gesagt: Oh, heute ist mal wieder jemand vom Hai gebissen worden… Wenn ich mich richtig erinnere, ist dabei aber nur selten (oder sogar nie?) jemand zu Tode gekommen, die Leute hatten ’nur‘ Bisswunden.

    Da würde ich wahrscheinlich trotzdem niemals schwimmen gehen!

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

    Gefällt 1 Person

    • frauGoetheliest schreibt:

      Moin Mikka,
      in der Gegend muss man ja immer mit großen und kleinen Haien rechnen. Die finden das warme Wasser ja genau so verlockend wie wir. Gerade im Bogen vom Golf hinter Florida ist es ja auch ideal für die Haie, weil das Wasser viel seichter ist als auf der Atlantikseite.
      Fernwehgetrübte Grüße,
      Heike

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