Porträt einer starken Frau

Die Mutter des Satans von Claudia und Nadja Beinert

Das Leben der Margarethe Luder, geborene Lindemann, sollte eigentlich anders verlaufen. Die Tochter eines Ratsherren heiratete aber den Hüttenmeister Hans und zog mit ihm nach Mansfeld. Das Paar hatte mindestens sechs Kinder. Drei davon überlebt sie. Heute redet man allerdings nur noch von einem ihrer Söhne: dem Reformator der Kirche Martin Luther. Die Romanbiografie schildert aus Margarethes Sicht die Lebensumstände um 1500 und bringt uns die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die Weltanschauung und ihren Alltag näher. Eingerahmt wird die rückblickende Erzählung in die Entstehung des Porträts, das der Maler Lucas Cranach von der Mutter des Satans skizziert.

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Kirchenportal in Wittenberg

Nadja und Claudia Beinert stellen in diesem Roman die Mutter des Reformators Martin Luther dar. Gleichzeitig wird die mögliche Entwicklung dargestellt, wie es zur Spaltung der Kirche kommen konnte. Das beginnende 16. Jahrhundert war ebenfalls eine Zeit, in der auf Ablassbriefen vertraut wurde und ebenfalls der Aberglaube verbreitet war. Martin Luther wuchs mit dem katholischen Glauben auf und widmete sich erst nach dem Studium der Übersetzung der Bibel vom Lateinischen ins Deutsche. Dem Anschlag seiner 95 Thesen ans Kirchenportal in Wittenberg wird noch heute am letzten Oktobertag gedacht. Die Autorinnen lassen die Mutter ein Resümee ziehen, in das gleichzeitig die familiären Bindungen mit einfließen. Der Sohn war empfindsam, intelligent und hatte eine enge Beziehung zur Mutter. Er genoss eine strenge Erziehung bevor er als Mönch in den Augustinerorden eintrat.

Der Roman kommt ohne nennenswerte fiktive Figuren aus. Er gibt die Epoche bildhaft wieder, dass es leicht ist, sich die Umgebung vorzustellen. Der Text ist leicht verständlich und doch so formuliert, dass er für die Zeit passend ist. Stets hat man als Leser die besorgte Mutter vor Augen, ob nun die Pest die Ansiedlung befällt, oder sich die Nachbarn ob ihres Ältesten gegen sie wenden. Luther ist in den Augen seiner Mutter keineswegs der Anführer der Reformation, sondern vielmehr sorgt sie sich, was ihm widerfahren könnte, falls er so weitermacht. Glaubhaft wird geschildert, wie Mutter und Sohn sich während dieser Zeit Nachrichten zukommen lassen. Dennoch muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass hier die Mutter ihren subjektiven Blick auf den Sohn preisgibt und sie nur spärlich Kritik übt. Ihre Zweifel an seinem Tun wechseln sich mit Stolz und unerschütterlicher Mutterliebe ab. Vermutlich ist gerade dieser Punkt die Stärke des Buches.

Die Mutter des Satans ist eine ungewöhnliche Perspektive auf den Reformator und gibt Einblick in das Leben der starken, duldsamen und doch resoluten Frau. Ich habe mich nicht nur unterhalten gefühlt, sondern auch die bisher eher unbekannte Familiengeschichte mit Interesse verfolgt. Der historisch gut recherchierte Roman bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.

Leseprobe


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© Ritchy Stock

Dr. Claudia Beinert, Jahrgang 1978, ist genauso wie ihre Zwillingsschwester Nadja in Staßfurt geboren und aufgewachsen. Claudia studierte Internationales Management in Magdeburg, arbeitete lange Zeit in der Unternehmensberatung und hatte eine Professur für Finanzmanagement inne. Sie lebt und schreibt in Erfurt und Würzburg.

Nadja Beinert studierte ebenfalls Internationales Management und ist seit mehreren Jahren in der Filmbranche tätig. Die jüngere der Zwillingsschwestern ist in Erfurt zu Hause. (Quelle: Droemer Knaur Verlag)


Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Knaur HC
erschienen am 1. Februar 2017
ISBN-13: 978-3426653838

Dieses Buch ist selbst gekauft und gelesen. Dass ich es toll fand, hat also nichts mit Werbung zu tun. 😉

 

 

 

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