Hermann und die Weihnacht

Für immer Weihnachten von Linda Winterberg

Eva wartet 1950 kurz vor Weihnachten am Frankfurter Bahnhof, dass der Zug mit Kriegsgefangenen eintrifft. Doch statt ihres Mannes steigt nur sein Freund aus und überbringt ihr die Nachricht seines Todes. Die Hoffnung, dass sie mit Johannes endlich eine richtige Familie sein können, zerplatzt. Ihre Tochter Lotte ist inzwischen acht Jahre alt und hatte gerade einen schweren Unfall. An Weihnachten ist gerade wirklich nicht zu denken. Ein Jahr später sieht es etwas besser aus. Paul hat Eva gebeten, seine Frau zu werden und kümmert sich schon das ganze Jahr um die beiden. Aber jetzt vor Weihnachten holen auch ihn seine dunklen Erinnerungen an den Krieg ein.

Linda Winterberg versetzt uns in ihrem Weihnachtsroman in eine Zeit vor rund 60 Jahren. Langsam entsteht die weihnachtliche Stimmung in den Straßen Frankfurts durch die Stände mit Lebkuchen, dampfenden Kakao und einem Leierkastenmann, der das seinerzeit neu komponierte Lied Wenn der Herrgott will spielte. Mit der Musik im Ohr und den fallenden Schneeflocken vor Augen stimmt man sich auf ein nostalgisches Fest ein. Doch der äußere Glanz will nicht so ganz zum Seelenleben der Menschen passen.

Das kurze Buch erinnert auch daran, dass das Fest nicht immer so freudig war, wie es heute sein könnte. Gerade mal sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges liegen Teile von Frankfurt immer noch in Trümmern. Die Trauer der Menschen über den Verlust von Familienmitgliedern ist immer gegenwärtig. Paul erinnert sich, wie er 1945 in der Sturmtruppe Frankfurt gegen die Alliierten verteidigte und ein 13jähriger Junge neben ihm starb. Gustls Sohn entkam seiner Gefangenschaft nur mit einem Suizid und Evas Mann erlag den Bedingungen im Lager in Russland.

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Hermann bereitet das Weihnachtsfest vor.

Der erklärte Star der Handlung ist allerdings Esel Hermann. Das graue Tier sorgt zwar anfangs für noch mehr Probleme, bringt aber auch weihnachtlichen Glanz. Er schafft es, dass die zuvor erwähnten Personen die Weihnacht in ihrem eigentlichen Sinn erleben. Das überträgt sich emotional natürlich auch auf den Leser. Ganz gerührt legt man das Buch zur Seite und bestaunt den eigenen geschmückten Baum, oder blickt zumindest in eine Kerze während man an einem Zimtstern knabbert. Als Einstimmung für die besinnliche Zeit hat das Buch volle Punktzahl verdient. Ich glaube, ich habe gerade Glocken und Schellen gehört.

Leseprobe


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Hinter Linda Winterberg verbirgt sich Nicole Steyer, eine erfolgreiche Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus und begann schon im Kindesalter erste Geschichten zu schreiben, ganz besonders zu Weihnachten, was sie schon immer liebte. Bei atb liegen von ihr die Romane „Das Haus der verlorenen Kinder“ und „Solange die Hoffnung uns gehört“ vor. (Quelle: Aufbau-Verlag)

(Foto: VarioStudio ©Xenia Filtschew)

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Rütten & Loening
  • erschienen am 15. September 2017
  • ISBN-13: 978-3352009051

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