Ohne Hoffnung gibt es keine Wunder

Das Mädchen, das Weihnachten rettete von Matt Haig

Amelia ist erst acht Jahre alt als ihre Mutter am Weihnachtstag stirbt. Dabei hatte sie sich doch so sehr gewünscht, dass der Weihnachtsmann ihr den Wunsch erfüllt und ihre Mutter wieder gesund wird. Offenbar gibt es den Zauber der Weihnachtsnacht doch nicht. Ihre Hoffnung auf ein gutes Ende schwindet zusehends als sie ins Arbeitshaus des gemeinen Mr. Creepers kommt und auch noch ihr geliebter Kater weggeben wird. Fragt man den Hausherren, sind alle Kinder frech und undankbar. Von früh bis spät muss Amelia nun das Haus schrubben. Nur ein einziger kann sie retten. Aber der braucht wenigstens ein Fünkchen Hoffnung, damit der Geist der Weihnacht entzündet wird.

Nach Ein Junge namens Weihnacht stimmt uns nun ein Mädchen auf das Fest ein. Matt Haig zeichnet auch diesmal eine außerordentlich bildhafte Szenerie, die emotional berührt und den Leser sofort für die kleine Waise einnimmt. Er beschreibt in kindgerechter Sprache die Welt der Wichtel und Elfen, die für die Weihnacht so wichtig sind. Im Gegensatz zur ewig fröhlichen Stimmung im Wichtelgrund steht die erbärmliche Behausung, in der sich Amelia wiederfindet. Die junge Schornsteinfegerin und der gemeine Creeper erinnern dabei an Figuren aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte. Haig kreiert seine Figuren zwar stereotyp, nutzt dabei aber die gesamte Farbpalette zwischen extradüsterem Graubraun bis zum silbrigen Sternenglitzerglanz. Ebenfalls weckt er die Fantasie seiner Leser, indem er ungewöhnliche Zeitansagen wie „ kurz nach ziemlich früh“ oder „5 Minuten vor bald zu Bett“ verwendet. Junge Zuhörer begreifen damit sofort, was die Stunde geschlagen hat.

Warmherzig und der Adventszeit angepasst können wir dem wundervollen Alltag der Wichtel folgen. Zwischen den Zeilen ist das Glockenklingen hörbar und man erwartet quasi, dass beim Umblättern eine Elfe hervorflattert und etwas Sternenstaub verteilt. Wie eine sich stetig zuspitzende Spirale wird das Weihnachtsfest anvisiert, das aber zuerst noch gerettet werden muss. Das Hoffnungsbarometer zeigt einen miserablen Wert an, was kleinere Zuhörer sicher animieren kann, sich ebenfalls für das anstehende Fest zu begeistern. Die Geschichte eignet sich ganz hervorragend dazu, in kleineren Episoden vorgelesen zu werden.

Illustriert wurden einige Szenen von Chris Mould, die die bildhafte Sprache unterstreichen. Auch das Cover ist mit glänzenden Sternen verziert, die gerade bei Kerzenschein einen tollen Effekt zaubern. Jetzt bleibt eigentlich nur noch, mit einer heißen Schokolade vorm Kamin auf die Heilige Nacht zu warten. Bis dahin haben die Wichtel hinter dem waldigen Hügel noch viel zu tun. Für nächstes Jahr wünsche ich mir die Übersetzung von Me and Father Christmas in einer ebenso hübschen Ausgabe.

Leseprobe


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© Susanne Schleyer / autorenarchiv

Matt Haig, geboren 1975 in Sheffield, hat bereits eine Reihe von Romanen und Kinderbüchern veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden. (Quelle: dtv)

 

 


Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
erschienen am 13. Oktober 2017
ISBN-13: 978-3423281287
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 – 12 Jahre
Originaltitel: The girl who saved Christmas

 

 

3 Gedanken zu “Ohne Hoffnung gibt es keine Wunder

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