Mehr als es auf den ersten Blick scheint

Manchmal ist es schön, dass du mich liebst von Marie Vareille

Paris gilt als die Stadt der Liebe. Chloé und Constance wohnen zwar dort, haben in Liebesdingen aber bisher kein Glück gehabt. Constance fühlt sich von Tristan nicht beachtet, während Chloé seit zwei Jahren ein Verhältnis mit ihrem Ex hat. Leider will der in wenigen Wochen seine Verlobte heiraten. Beide Frauen sind also aus verschiedenen Gründen unfreiwillig ungebunden. Das muss sich ändern, findet Constance und schlägt Chloé einen Deal vor. Für die nächsten sechs Monate tauschen beide ihr Leben. Die schüchterne Constance will endlich die Initiative bei ihrem Auserwählten ergreifen und Chloé soll sich von Männern fernhalten und auf dem Land bei Bordeaux endlich ihr Buchprojekt beginnen und sich mehr um ihre Familie kümmern.

Der Roman von Marie Vareille erweckt den Eindruck, eine lockerleichte Chick-lit zu sein. Frische Farben auf dem Cover, der Titel und Herzschmerz auf der Suche nach dem Richtigen im Klappentext lenken die Erwartungen in diese Richtung. Beginnt man die ersten Kapitel, erfährt man sofort von Chloés unglücklicher Liebe zu ihrem Ex und von Constances hoffnungsloser Schwärmerei. Die beiden Frauen verkörpern zwei konträre Typen, die als Freundinnen nur bedingt zusammen passen. Ihr Verhältnis zu Männern ist ebenfalls komplett unterschiedlich. Während Chloé nichts auslässt, wartet Constance wie eine Heldin aus Jane Austins Romanen auf den Richtigen. Es verbindet die Frauen nur ihre Liebe zur Literatur.

Genau hier beginnt sich der Roman von der herkömmlichen Chicklit zu lösen. Die französische Autorin zeichnet den Alltag junger Frauen von zwei Extremen. Beide haben aber dieselben Wünsche und Bedürfnisse. Beide Figuren lassen den Leser tief in ihr Innerstes schauen, was das Nachfühlen für den Leser einfacher macht. Sie rufen damit auch Emotionen hervor. Chloé hätte ich gerne geschüttelt, um sie aus dem ewigen Kreislauf und der gefühlten Abhängigkeit von Guillaume zu befreien. Constance hingegen hätte ich manchmal gerne die Meinung gesagt, dass sie sich nicht wie eine alternde Jungfer aus der Regencyzeit benehmen solle. Leider hat man als Leser wenig Einfluss auf den weiteren Handlungsverlauf.

Die Perspektiven wechseln zwischen Chloé und Constance und erzählen so die gesamte Geschichte in der richtigen zeitlichen Reihenfolge. Unweigerlich entstehen Fragen, ob es nur der Wohnort ist, der den Menschen zu dem macht, was er ist. Chloé hat auf dem Land weniger Gelegenheit, sich von ihren seelischen Verletzungen abzulenken. Constance treibt der Pakt dazu an, endlich aus sich herauszugehen. Schnell bemerkt sie die Unterschiede zwischen ihren Träumen und der Realität.

Der Erzählstil ist einnehmend und trotz einiger Längen durch Wiederholungen wurde dennoch Interesse für den weiteren Verlauf geweckt. Ernsthafte Themen wechseln mit Situationskomik und machen daraus eine gesunde Mischung. Die Figuren wirken erst sperrig und wollen erst besser kennengelernt werden. Sie geben zum Schluss aber die Gelegenheit zum Träumen, was einem Liebesroman dann doch sehr nahe kommt. Alles in allem ist es ein romantischer Schmöker über die Veränderungen im Leben, über den man auch nachdenken kann.

Leseprobe

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© Philippe Lamy

Marie Vareille wurde 1985 in Montbard, einer Kleinstadt im Burgund, geboren. Sie hat in New York und Paris Management studiert und arbeitet derzeit für ein kleines Start-up-Unternehmen. Neben dem Schreiben führt sie auch einen Blog über romantische Komödien. „Manchmal ist es schön, dass du mich liebst“ ist ihr erster Roman, der auf Deutsch erscheint. (Quelle: Randomhouse)

 


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