Entscheidungen auf Nantucket

Ein Stern am Sommerhimmel von Elin Hilderbrand

Der Sternekoch Deacon Thorpe stirbt unerwartet und hinterlässt seinen Ex-Frauen und Kindern ein Haus auf Nantucket. Bisher hatten die drei Frauen keine Freundschaft geschlossen. vielmehr war allein durch das Ende der jeweiligen Ehe ein Groll auf die Nachfolgerin entstanden. Doch nun reisen sie auf die Insel vor der Küste des US-Bundesstaats Massachusetts, um die Asche der Verstorbenen in die See zu streuen. Die Trauer der Angehörigen und engen Freunden wird durch Missverständnisse, Voreingenommenheit und eben auch Betrug überschattet. Zudem scheint auch Deakon seine Geheimnisse gehabt zu haben, die in Rückblicken und Gesprächen ans Licht kommen.

Elin Hilderbrand hat sich hier einem schwierigen Thema gewidmet, das alle Charaktere miteinander verbindet. Sie haben einen Menschen verloren, der sie als Gruppe zusammengehalten hat. Seine Jugendliebe musste zwar der Oskarpreisträgerin weichen und diese dann dem Kindermädchen, aber durch die Kinder blieb der Kontakt erhalten. Es ist verständlich, dass sie kühl und distanziert miteinander umgehen, allerdings muss auch entschieden werden, was mit dem Haus passiert, das Deakon allen hinterlässt. Das Haus ist belastet und kann nicht einfach verkauft werden. Außerdem soll doch den Kindern eine Art Heimat erhalten bleiben. Bei diesen Entscheidungen sollte man sich wirklich nicht von Emotionen leiten lassen.

Als Nebenschauplätze fließen die persönlichen Probleme von Angie und Hayes ein. Die älteste Tochter arbeitet im Promi-Restaurant ihres Vaters und hat sich in den falschen Mann verliebt. Zum Verlust kommt nun auch noch der Herzschmerz, der nach guten Gesprächen verlangt. Ganz andere Probleme hingegen hat Deakons Sohn. Der begabte Journalist betäubt seine innere Leere immer öfter mit Drogen. Die Herleitung zu den heutigen Psychen ist nicht frei von Klischees, aber eben auch nicht frei erfunden. Es geht um unerfüllte Wünsche, falsche Versprechen und immer wieder um Enttäuschungen. Die Frauen sind so unterschiedlich wie es nur geht. Die patente Singlefrau ist genau so vertreten wie die fordernde Diva und die schutzsuchende Unselbstständige. Aus Erinnerungen und Gesprächen erfährt der Leser nach und nach Deakons wichtigsten Stationen im Leben.

Der Inhalt lässt sich leicht lesen. Hilderbrand beschreibt in einer ruhigen Art, wie sich die Tage auf Nantucket gestalten. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig und die Themen für sich sind auch keine leichte Kost. Wer sich vom sommerlichen Outfit des Buches täuschen lässt, wird zwangsläufig enttäuscht. Blumig und mit einer lauen Brise ist hier lediglich der Epilog. Hier hätte ich mir auch eine andere Aufteilung mit den Rezepten gewünscht. Wollte man sie nach einer Zeit nachkochen, sind sie im Buchtext schwierig zu finden.

Als unbedingten Tipp für den Strandurlaub würde ich das Buch nicht empfehlen, wobei es durchaus verdient hat, gelesen zu werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man eben keine lockerflockige Unterhaltung erwartet, sondern sich auf die Handlung einlässt und jeden einzelnen der neun Charaktere trotz seiner Sperrigkeit kennenlernen möchte. Dann ist der Roman tatsächlich, was der Originaltitel verspricht: Here’s to us.

Leseprobe

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
erschienen am 15. Mai 2017
ISBN-13: 978-3442486342
Originaltitel: Here’s to Us


 

20144

© Laurie Richards

Elin Hilderbrand hat ihre besten Ideen am Strand oder in den belebten Straßen von Boston. Ihre drei Kinder beknien sie regelmäßig, im Beisein von anderen Leuten nicht lauthals zu singen oder zu tanzen. Die Autorin lebt mit ihrer Familie auf Nantucket, Massachusetts, wo auch ihre Geschichten spielen. Ihre Bücher stehen regelmäßig in den Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste.

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