Das Leben von John Holland

Der Herr der Bogenschützen von Mac P. Lorne

 

Im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich, der von 1337 bis 1453 dauerte, wurden so manche Uneinigkeiten ausgefochten. Nicht erst durch Shakespears Drama Henry V. wurde die Schlacht von Azincourt ein Begriff. 1415 konnten die Engländer einen der größten militärischen Erfolge der Geschichte erringen. Das war vor allem durch die Aufstellung der Langbogenschützen möglich, die mit ihren Pfeilen eine enorme Reichweite erzielten. Diese wurden von John Holland kommandiert, der im aktuellen Roman von Mac P. Lorne der Hauptcharakter ist.

John Holland ist in seiner Zeit nicht immer der strahlende Sieger. Trotz seiner Verwandtschaft zum König, oder gerade deswegen, muss er im Alter von fünf Jahren miterleben, wie seiner Familie Titel und Lehen aberkannt wurden. Sein Vater wird hingerichtet, seine Brüder sterben und er wird von seiner Mutter, der Tochter des Duke of Lancaster Elizabeth Plantagenet, getrennt. Bei seinem Ziehvater erhält er eine gute Ausbildung, die ihn bald eine Position im Heer Henry V. sichert. Der König ernennt ihn nach der Schlacht von Azincourt sogar zum Ritter des Hosenbandordens.

Das Hauptaugenmerk dieses wundervoll recherchierten Romans liegt allerdings auf der Zeit, in der Jeanne d’Arc den fast schon beendeten Krieg erneut aufflammen lässt. Wie schon der Klappentext verrät, ist diese Schilderung eine Entmystifizierung der Jungfrau von Orléans. Für den Leser nachvollziehbar und vor allem unter heutigen Gesichtspunkten unverständlich, schafft es das junge Mädchen aus Domrémy, dass in neue Schlachten erneut Menschen sterben. Die Märtyrerin wird ebenfalls bildhaft mit ihrer Familie in der kleinen Bauernkate dargestellt. Nüchtern werden ihre Vorlieben für die kirchliche Messe und der eigensinnigen Verfolgung ihrer Ziele erklärt, was letztendlich 1431 zu ihrer Verbrennung auf dem Scheiterhaufen führte.

Der Roman hat noch weitere Nebenfiguren, die durchaus auch eine größere Rolle einnehmen könnten. Faszinierend sind die Darstellungen auf französischer Seite von La Hire und Gilles de Rais, die auch die Nachwelt noch mit den Beschreibungen ihrer Gräueltaten schrecken. Ein Sympathieträger ist eindeutig der Waliser Mathew Gough, der als Jugendfreund von John Holland immer wieder an seiner Seite auftaucht. Diese Charaktere helfen beim Verständnis der seinerzeit herrschenden Politik und der Entwicklung der Geschichte. Aus Sicht von John Holland wird deutlich, warum Englands Einfluss in Frankreich immer schwächer wurde, bevor auch die letzten Ländereien aufgegeben werden mussten.

Mac P. Lorne beweist erneut seine Erzählkunst, indem er seine Leser in eine vergangene, aber dennoch erinnerungswürdige Zeit mitnimmt. Es geht um Ritter, um Helden und natürlich die Kunst des Bogenschießens. Verbunden wird alles mit Logik und Emotionen, was eine mitreißende Dynamik entstehen lässt. Da Holland bei seinem Tod wieder den Titel Earl of Huntingdon trug, wird auch sehr schön der Kreis zu den vorigen Büchern aus selber Feder geschlossen. Sehnsuchtsvoll warte ich nun auf ein neues Abenteuer vor realem Hintergrund.

Leseprobe

Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Knaur TB – erscheint am 1. August 2017
ISBN-13: 978-3426520826

E-Book, Knaur eBook, 704 Seiten
erschienen am 2. Mai 2017
ISBN: 978-3-426-44303-3

 

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