Mörderjagd mit Inselblick von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert

 

Rosa Moll hat mit der Durchführung der Ostfriesischen Literaturtagen alle Hände voll zu tun. Autoren, Kritiker und Literaturagenten sollen einige Tage für Unterhaltung in Neuharlingersiel und auf den Nordseeinseln Norderney, Wangerooge und Spiekeroog sorgen. Rosa kümmert sich dabei um alles. Als sie allerdings mit einem Literaturagent auf einen Schnack zusammensitzt und dieser unerwartet einem Herzinfarkt erliegt, rühren sich auch ihre kriminalistischen Instinkte. Polizist Rudi sieht den Vorfall entspannter und Henner, der normalerweise Dritte im Bunde, macht sowieso eine Badekur auf Norderney.

Nach „Miss Wattenmeer singt nicht mehr“ lässt das Autorenduo Christiane Franke und Cornelia Kuhnert das Ermittlungstrio erneut einen Fall lösen. Auch der vierte Krimi in dieser Serie folgt einem soliden Aufbau. Nach dem Prolog, in der sich ein Opfer bereits an bitteren Grünkohlpralinen labt, kann man schon erahnen, dass es an der Küste nicht mit rechten Dingen zugeht. Kurz wird die Ausgangssituation mit den Figuren vorgestellt und schon muss die Polizei gerufen werden. Es wird eine harmlose Todesursache festgestellt und fast hat man das Gefühl, der Mörder käme davon. Es werden aber auch sorgsam Hinweise eingestreut, die das nächste Kapitalverbrechen erahnen lassen. Schon bald stellt sich die Frage, welcher der Verdächtigen wohl das größte Motiv hatte und wer dann so unverfroren war, die Taten auszuführen. Einen Zusammenhang scheint es nicht zu geben, weswegen die Lösung auch versierte Krimileser überraschen kann.

Wie eine kurze Rast zum Verschnaufen kommen da die Szenen, in denen Henner auf der Suche nach Entspannung auf Norderney weilt. Leider hat seine Jugendfreundin Dörte anderes im Sinn und plant schon die Beendigung seines Junggesellenlebens. Hier kommt die Beobachtungsgabe der Autorinnen zum Tragen, wie sie ihre Figuren in typischer Manier agieren lassen. Lokalkolorit vermitteln die eingeworfenen Sätze im friesischen Dialekt und vor allem die Beschreibungen der reetgedeckten Häuser hinter Zäunen mit Heckenrosen. Der trockene Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Der Krimi wird durch ein Personenregister ergänzt, damit bei den vielen Namen auch Quereinsteiger eine Zuordnung machen können. Schon allein Henners Großfamilie würde sonst Verwirrung stiften. Ebenfalls findet man im Anhang die regionalen Rezepte, um Pannfisch mit braten Tuffels, Heringssalat und Apfelkuchen nachkochen bzw. backen zu können. Im Nachwort findet man die Ankündigung für den fünften Fall, auf den ich mich schon jetzt freue. Der Regionalkrimi ist spannend, unblutig und vermittelt das ganze Flair der Nordsee.

Leseprobe (PDF)

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
erschienen am 22. April 2017
ISBN-13: 978-3499290619

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