Discrete Ermittlungen in Belvedere

Durch Nacht und Wind: Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller

 

Wer kennt sie nicht, die erste Zeile des Gedichts „Der Erlkönig“? Auch dort geht es um jemanden, der durch Nacht und Wind von einem Ort zum anderen eilt. Die klassische Ballade ist passenderweise von Johann Wolfgang von Goethe, der auch in diesem Krimi eine Hauptrolle besetzt. In diesem Krimi wird das Schaffen des Geheimrats und seynes Freundes Friedrich Schiller in der weniger bekannten Art dargelegt. Geschildert werden die Ereignisse aus dem Jahre 1799, in denen die beiden Dichter von der Mutter des Herzogs von Weimar ins Schloss Belvedere gebeten werden. Es hieß, ein wertvoller Ring, der nun im Besitze der Familie sey, wäret mit einem Fluch belegt. Großes Unglück passiere demjenigen, der ihn trüge. Das ließ nicht lange auf sich warten. Schon bald gibt es die erste Leiche.

Stefan Lehnberg bedient sich hier der zwei bekanntesten deutschen Dichter und lässt sie wie das von Arthur Conan Doyle kreierte Ermittlerduo Holmes und Watson nach dem Mörder suchen. Dichter sind nicht abwegig für derartige Dienste. Sie haben einen klugen Geist, ein erkleckliches Maß an Neugier und viel Phantasie, liest man auf den ersten Seiten. Die gröbsten Zweifel, ob es sich hier um einen Krimi handle sind nun ausgeräumt. Der Fall scheint ebenfalls eines großen Denkers gebührend. Zu enträtseln ist, wie der Herzog in eine von innen verschlossene Truhe gelang, obwohl ihn jemand anderes erwürgt haben muss. Sogleich macht sich Goethe an die Befragung der Verdächtigen und sein Freund Schiller mimt den Assistenten. Doch während sie noch an andere Thüren klopften, befand sich auch der Prinz in Not.

Der Erzählstil passt zur Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ebenfalls wurde durch die veraltete Schreibweise vieler Wörter das passende Ambiente geschaffen. Da die beiden Ermittler historisch belegte Persönlichkeiten waren, beließ man ihnen ebenfalls die bekannte Charakteristik. Ein paar Kenntnisse darüber und über ihre Werke sollte man aber schon haben, damit nicht zu viel versteckter Humor unbeachtet am Leser vorbeizieht. Weiterhin hilft das Interesse an klassischer Literatur, da die beiden einige Passagen zitieren. Immer wieder werden sie eingebunden und auch spätere Werke bekommen mit diesem Krimi ihren Grundstein gelegt.

Das Buch liest sich trotz der ungewöhnlichen Schreibweise und der gehobenen Sprache leicht und flüssig. Die Spannung zieht sich durch die gesamte Handlung und bis fast zum Schluss tappt auch der Leser im Dunkeln, wie alles zusammenhängen mag. Die Lösung der Verbrechen ist dann umso überraschender. Mich hat der Krimi köstlich unterhalten und ich würde mich über einen weiteren Fall für die beiden Dichter und Denker freuen.

Leseprobe: PDF

 

Gebundene Ausgabe: 237 Seiten
Verlag: Tropen
erschienen am 11. März 2017
ISBN-13: 978-3608503760

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Veröffentlicht in: Krimi

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