„Wir dulden kein Mobbing an unserer Schule!“

Tausend kleine Lügen von Liane Moriarty

Jane ist gerade mit ihrem fünfjährigen Sohn Ziggy nach Pirriwee gezogen. Statt aber die Annehmlichkeiten des kleinen Küstenortes zu genießen, wird sie gleich bei der Einschulung ihres Sohnes mit einem unangenehmen Vorfall konfrontiert. Ziggy soll eine Mitschülerin gewürgt haben. Die Mehrheit der Eltern empört sich darüber, ohne sich über die Umstände näher zu informieren. Lediglich ihre beiden neuen Freundinnen Madeline und Celeste halten zu ihr.

Liane Moriarty bleibt ihrem Stil auch im sechsten belletristischen Roman treu. Die scheinbar harmlose Idylle des kleinen Städtchens und das freundliche Miteinander bekommen arge Kratzer, je weiter die Handlung Einblick gewährt. Die Protagonistin will offenkundig ihr Geheimnis aus der Vergangenheit bewahren, das natürlich die Neugier des Lesers schürt. Die beiden Freundinnen Madeline und Celeste haben ebenfalls häusliche Probleme, die Verständnis und Mitgefühl beim Leser wecken.

Die Geschichte fußt auf einen tödlichen Unfall beim Elternquiz in der Schule von Pirriwee. Sie beginnt allerdings sechs Monate vorher mit dem Infotag der Vorschule. Die Sprecherin Luise Helm verleiht allen Beteiligten eine angenehme und charakterlich passende Stimme. Anfangs scheint es eine unübersichtlich große Menge an Personen zu sein. Es lohnt sich jedoch dranzubleiben, weil nach besserem Kennenlernen auch eine Menge Humor enthalten ist. Das Erzählen wechselt dabei zwischen einzelnen Szenen aus dem Leben der drei Frauen und eingeworfenen Meinungsäußerungen wie bei einer Befragung ab. Mehr und mehr stellt die Autorin so ein buntes Bild zusammen, das offenbar in etwas Tragischem gipfelt.

Die Handlung hat allerdings nicht nur einen Unterhaltungswert, sondern regt auch zum Nachdenken über den Umgang miteinander an. Die Gemeinschaft der Vorschulkinder und deren Eltern wird durch den Vorfall am Informationstag belastet, sodass sie sich in zwei Lager teilt. Folgt man der Handlung kommt man nicht umhin, die Meinungen der Figuren zu hinterfragen, welches Kind etwas verheimlicht oder womöglich von einem anderen Kind schikaniert wird. Die Eltern sind verständlicherweise parteiisch und bis zu einem gewissen Grad haben sie auch ihre eigenen auflodernden Gefühle unter Kontrolle. Es geht im Kern um verschiedene Arten von Gewalt, die Frauen und Kinder aushalten, um einen von der Gesellschaft erwarteten Schein zu wahren.

Die australische Autorin platziert ihre Figuren in unterschiedliche Situationen, in denen Sie verbale und auch tätliche Gewalt aushalten müssen. Es geht um verletzte Gefühle, Fürsorge den Kindern gegenüber und auch um Lösungen. Die Emotionen sind vor allem als Hörbuch vorgetragen, greifbar und berührend. Die in 803 Minuten ungekürzte Lesung weist keine Längen auf und sind auch nach mehrmaligem Hören noch faszinierend. Die MP3-Ausgabe bekommt von mir eine klare Empfehlung.

Hörprobe: https://www.luebbe.de/…/d…/ausgabe/2499731/9783785753675.mp3

Lübbe Audio
Hörbuch Beziehungsroman
2 CDs, 803 Minuten
Altersempfehlung ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-5367-5
erschienen am 16.02.2017

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