Licht und Schatten in Stuttgart

Tödliche Verdächtigungen von Silvia Stolzenburg

Wenn der eigene Vater Sonntag morgens die Tochter aus dem Bett klingelt, muss ein wichtiger Grund vorliegen. Kommissarin Anna Benz hätte allerdings keine Leiche im Atelier von Roland vermutet. Seine Assistentin wurde Opfer eines Kapitalverbrechens. Instinktiv versucht Anna, alle belastenden Beweise verschwinden zu lassen, um von Roland abzulenken. Doch die Spurensicherung ist schon vor Ort und Anna beginnt, ein Netz aus Unwahrheiten aufzubauen.

Silvia Stolzenburg stellt in diesem Kriminalroman den dritten Fall für ihre Protagonistin vor. Die Entwicklung der Figuren geht auch hier stetig weiter. Der Fokus liegt diesmal auf der Beziehung zwischen Anna und ihrem Vater. Roland kennt der Leser bereits aus dem Vorgänger „Die Fliege“ und weiß, dass er unter einer bipolaren Störung mit psychotischen Schüben leidet. Er kann sich so auch nicht an die Vorgänge in seinem Haus erinnern und wird zunächst als Hauptverdächtiger festgenommen. Als Inhaftierter in Stammheim bietet sich natürlich auch für uns ein Blick hinter die Kulissen. Für Anna ist es ab jetzt nicht nur ein Job, sondern sie muss ihre Emotionen gerade vor ihrem Vorgesetzten kontrollieren. Diese innerliche Zerrissenheit wird durch Dialoge und Handlungen nachvollziehbar transportiert.

Der Krimi ist in kurze Kapitel unterteilt, was der Erzählgeschwindigkeit zugute kommt. Schon nach wenigen Seiten ändert sich die Szene und ein neuer Aspekt wird wichtig. Es geht dabei unter anderem um Prostitution asiatischer Mädchen und illegalem Müllverkauf. Schritt für Schritt kommt man dem Täter auf die Spur und darf aber vorher noch ausreichend andere Lokationen erlesen, wo man als Normalbürger auch nur selten hinkommt. Ebenso sauber wurde hier die Polizeiarbeit recherchiert. Die Ermittler sind keine Superhelden und feiern am Ende doch Erfolge. Das wirkt authentisch und erhöht den Lesespaß. Der dritte Band um die Stuttgarter Ermittlerin besticht durch einen soliden Aufbau und einen sauber gezogenen Spannungsbogen. Obwohl diesmal der Täter bereits früher identifiziert wird als bei den vorherigen Fällen, wird es keineswegs langweilig.

Gerne hätte ich Anna und Markus beim nächsten Fall wieder über die Schulter geschaut. Wenn man den Gerüchten glauben kann, ist das aber der Abschluss der kurzen Serie. Anna stellt mit ihrem kantigen Wesen eine so interessante Figur dar, dass sie sicher noch viel zu erzählen hätte. Allerdings heißt es ja auch, dass man aufhören soll, wenn es am Schönsten ist. Annas emotionalster Fall ist definitiv der Höhepunkt des Dreiteilers.

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Bookspot Verlag
erschienen am 19. Oktober 2016
ISBN-13: 978-3956690693

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Veröffentlicht in: Krimi

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